18. Juli 2016 Indonesien, Urlaub

Java ist vielleicht der krasseste Einstieg für Indonesien. Während das Land auf über 17.000, teilweise unbewohnten Inseln verteilt ist, leben auf Java allein schon 130 Millionen Menschen. Und das auf einer Fläche so groß wie Island. Die beiden Städte Jakarta und Surabaya machen dabei etwa ein Zehntel der Einwohner aus. Und nun sollte ausgerechnet Surabaya der Beginn unserer Indonesien-Erfahrung werden.

Wir landeten gegen Mittag und hatten nur ein Ziel: Irgendwie eine Tour organisieren, die uns noch in dieser Nacht zum Vulkan Bromo bringt. Es gab im gesamten Flughafen nur einen vermeintlichen Info-Stand, bei dem wir unser Glück versuchten. Tatsächlich boten sie uns eine dreitägige Tour zum besagten Bromo und einem weiteren Vulkan im Osten Javas an. Wir gaben dem netten Mann vom Infostand unsere Hoteladresse und ungefähr 4 Millionen Rupiah. Das ist die Währung in Indonesien und zuerst muss man kichern, weil Millionen und so. Dann taucht das Problem auf, dass ein Geldautomat nur maximal eine Million Rupiah ausgeben kann, weil mehr Scheine nicht durch den Ausgabeschlitz passen. Well.

Rupiah

Wir ließen uns noch erklären, wie man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in „die Stadt“ gelangt, völlig unwissend, dass „die Stadt“ die zweitgrößte dieser Insel ist. Zunächst fuhren wir noch mit einem okayen Minibus los, mussten dann aber an einem riesigen Busterminal umsteigen. Hunderte Busse standen da und noch viel mehr Menschen, die alle in verschiedene Richtungen wollten. Und keine Beschilderung oder Auskunftshinweise. Wir fanden schließlich in einem Hinterhof unseren Local Bus und fuhren Richtung Surabaya. Theoretisch wäre unser Ziel von dort aus zehn Minuten entfernt gewesen. Allerdings ist Surabaya unglaublich voll von Menschen, Autos und Motorräder, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe. Der Bus kam überhaupt nicht mehr voran und überall schlängelten sich tausende von Motorradfahrer an uns vorbei. Nach etwa einer Stunde stiegen wir endlich aus und liefen den Rest zu unserem Hotel. Es war heiß und schwül und laut und dreckig. Wow. Das Hotel allerdings war klimatisiert und schön und es gab Wifi. Mittlerweile war es Nachmittag und wir legten uns schlafen, denn um elf Uhr abends holte uns unser Fahrer vom Hotel ab.

Neben vielen Menschen gibt es auf Java nämlich zwei atemberaubende Naturschauspiele, die für mich der Grund Nummer eins waren, überhaupt nach Indonesien zu reisen. Vulkane! Sie sind für mich so unglaublich beeindruckend, weil es sie bei uns so selten gibt und irgendwie wie aus einer anderen Zeit zu sein scheinen. Der Vulkan Bromo ist ein aktiver Stratovulkan im Süden Javas, der zusammen mit anderen Vulkanen im Tenger-Massiv vor sich hin brodelt.

Wir fuhren also durch die Nacht mit einem Touristenguide und einem Fahrer. Selbst nachts um eins war Surabaya noch voll von herumwuselnden Menschen und -natürlich- Motorrädern. Die Straßen waren dunkel, aber belebt wie zu Tageszeiten. Ich habe keine Ahnung ob Indonesier jemals schlafen. Unser Fahrer fuhr wie verrückt und überholte alles, was ihm auf der einspurigen Straße in den Weg kam. Irgendwann biegten wir in das Gebirgsgelände ab und es war mit einem Mal so still. Kein einziges Auto war mehr zu sehen oder zu hören. Und es war richtig dunkel. Ich sah nur leicht den Schatten des Urwaldes, durch den wir fuhren und stellte mir vor, wie grün hier alles am Tage aussähe.

Nach einer Weile wechselten wir in einen Geländewagen, den unser Guide irgendwie zuvor telefonisch organisiert hatte. Dieser fuhr dann auch tatsächlich steil die Berge hinauf auf eigentlich unbefahrbare Straßen. Es schaukelte und wackelte und mir wurde übel. Es war drei Uhr nachts und immer noch stockfinster. Schließlich kamen wir oben an, stiegen aus und eine wahnsinnige Kälte überfiel uns. Wir wanderten noch einige hundert Meter durch die Dämmerung bis wir schließlich zum Sonnenaufgang den Blick auf den Bromo erleben durften.

Bromo Aussicht

Bromo Sunrise Sonne

Nachdem wir tausend Fotos von dem Aussichtspunkt gemacht hatten, fuhren wir wieder hinab ins Tal. Dort um die Vulkane herum befindet sich ein weitgestreckter „Sandsee“ aus versteinerter Lava und vertrocknetem Aschestaub. Durch diesen See läuft man dann hindurch und gelangt dann zum Fuße des Bromos. Durch eine dicke Nebelschicht kämpft man sich noch zweihundertfünfzig Treppenstufen nach oben und darf dann in das Herz des Vulkans hineinschauen.

Bromo Loch

Bromo Blick zurück

Bromo Nebel schwarz weiß

Weiter ging es nun Richtung Osten zurück auf die vielbefahrene Hauptstraße. Wir waren so müde, dass wir fast komplett die sechs Stunden Autofahrt hinten auf dem Rücksitz schliefen. Der Guide und der Fahrer waren hingegen topmunter. I don’t know. Wir erreichten ein kleines Örtchen namens Bondowso, wo wir in ein Hotel eincheckten, kurz zu Abend aßen und dann abermals sehr früh zu Bett gingen. Denn um Mitternacht klopfte es an unserer Tür und unser Guide war bereit zur Abfahrt. Von dort aus fuhren wir wieder zwei Stunden durch ein Hochgebirge und erreichten dann den Eingang des Nationalparks.

Ausgestattet mit einer Stirnlampe, einer Gasmaske und fünf Lagen Kleidung machten wir uns auf den sehr anstrengenden Weg zum 2000 Meter hoch gelegenen Ijen. Das ist also dieses Wandern. Nur zusätzlich mit Dunkelheit und Kälte und diesem Schwefel. Zu Beginn benötigt man noch keine Maske und man ärgert sich schon ein bisschen, dass man überhaupt eine mitgenommen hat. Aber dann nach einer Stunde Fußmarsch wird die Luft so voll von Schwefel, dass man es gar nicht anders aushalten würde.

Eine halbe Stunde später erreicht man den Gipfel, aber alles ist noch viel zu dunkel, als dass man irgendeine Aussicht genießen könnte. Und dann folgt die zweite Bewährungsprobe. Über eine sehr steile und schmale Steintreppe kann man nämlich wieder 700 Meter hinab in den Krater des Ijens steigen. Dort unten irgendwo befindet sich dann ein Kratersee voller giftigem Schwefel. Und wenn Schwefelgase aus Gesteinen austreten und sich entzünden, dann entstehen die sogenannten „Blue Fire“. Man kann sie nur bei Dunkelheit sehen, daher diese nächtliche Tortur.

Blue Fire

Ijen Schwefelaustritt dunkel

Ijen Selfie

700 Meter hinab und 700 Meter wieder hinauf. Was ich zum Glück nur einmal machen musste, schaffen die hiesigen Schwefelbauer drei Mal am Tag. Sie steigen in den Krater des Ijens und bauen dort den hartgewordenen Schwefel ab. In großen Blöcken legen sie ihn dann in ihre kleinen Körbe und tragen die bis zu 70 kg schwere Last über ihre Schultern wieder bis ganz nach oben und anschließend ins Tal. Dort wird der Schwefel gewogen und die Bauern entsprechend ausbezahlt. Ihr Tageslohn liegt bei 5 Euro. Das ist dreimal so viel wie ein Kaffeebauer am Tag verdient. Und obwohl Schwefel eigentlich ein Abfallprodukt der Industrie ist, das sehr günstig auf dem Weltmarkt zu erwerben ist, unterbieten die Schwefelbauer diesen Preis noch weiter. Aber dafür nehmen sie die gesundheitlichen Risiken der Schwefelgase und einer möglichen Verletzung durch den Auf- und Abstieg in den Krater in Kauf. Das ist für mich so unvorstellbar. Nicht umsonst gilt dieser Beruf als der Härteste in der Welt.

Ijen Schwefel

Ijen Seite Schwefelaustritt

Als Tourist, der hier an diesen unwirklichen Ort kam und dieses einmalige Treiben erleben durfte, habe ich größten Respekt vor Natur und den Menschen hier. Die Landschaft um und innerhalb eines Vulkanes zu sehen, war unglaublich aufregend und auf gewisse Art wunderschön. Aber ich bin auch sehr froh, dass ich diese Gasmaske nicht dauerhaft tragen muss und nach zwei durchzechten Nächten sehnte ich mich auch etwas danach, wieder zu normalen Zeiten schlafen gehen zu können.

Ijen Seite Nebel

Ijen Seite

Unser Fahrer brachte uns noch bis an das Fährterminal im Osten Javas, wo wir uns verabschiedeten und schließlich mit einem Bus nach Bali übersetzten. Dort wollten wir die nächsten vier Tage verbringen.

13. Juli 2016 Cities, Indonesien, Urlaub

Alles beginnt immer mit einer großen unbekannten Stadt und einer Höllenhitze. Da landet man nach sechszehn Stunden Flug, windet sich gemütlich aus der Flugzeugdecke und verdaut gerade noch das Konservenfrühstück. Mit müdem Blick holt man erst seine Koffer und wird gleich danach ganz wachsam, wenn man sich an die Schlange der Immigration control anstellt. Denn in Singapur gelten viele strenge Regeln und man hört Geschichten von Menschen, die unschuldig zu Drogenkurieren wurden und dann erwischt wurden und seither in einer Todeszelle sitzen, und die Einfuhr von Kaugummis ist auch verboten.

Kein „Hello, M’am“, kein „how you doing“, kein „what’s the purpose of your stay“. Der Immigration officer nimmt mir das bereits im Flugzeug ausgefüllte Formular ab und stempelt meinen Reisepass, zackzack. Die Zollbeamten würdigen mich keines Blickes und sodann verlasse ich den Securitybereich. Einige Fahrten mit dem Skytrain und tausenden von sich über mehrere Etagen kreuzenden Rolltreppen später, gelange ich zur U-Bahn, die mich nach Downtown bringt. Und dann befinde ich mich endlich offiziell in Singapur. Hi!

Jetzt liegt Singapur nun mal am Äquator und dementsprechend sollte man nicht unbedingt kühles und angenehmes Klima erwarten. Es ist dort eben richtig heiß. So richtig richtig. So, dass man nach zwei Minuten an der Luft komplett durchgenässt und außer Atem ist. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass man tagsüber nur draußen ist, um von einem klimatisierten Gebäude zum nächsten zu gelangen. Erst in den Abendstunden wird es langsam angenehmer und besonders am Hafen lässt es sich dann mit der Minibrise aushalten.

Dabei ist Singapur eigentlich eine schöne Stadt. Es ist so sauber, wie man sagt. Und man kann sich kaum vorstellen, wie viel dieses Kaugummiverbot ausmacht. Die Straßen und Gehwege haben keine dieser dunklen Flecke und das macht alles irgendwie besser. Was ich aber auch bemerkte, war das Fehlen dieses typischen asiatischen Straßengeruchs. Der Geruch von Abgasen, Garküchen oder Müll. Einfach nicht vorhanden. Niemand stellt sich hier mit einem Streetfood-Wagen an die Straße. Es ist einfach zu heiß.

Und so erlebt man Singapur hauptsächlich in cleanen, durchgestylten Innenräumen (Museen, Einkaufszentren) oder am Hafen in den kleinen Cafés und Bars. Oder wenn man ganz mutig ist, lässt man sich kurz darauf ein, durch die schönen künstlichen Gardens by the bay zu schlendern. Es gibt dort reichlich Schattenplätze. Und wenn man schon mal dort ist, wirft man noch einen Blick auf das berühmte Marina Bay Sands Hotel, das oben wie ein schiefes Surfbrett mit Alligatorenhaut aussieht. Dann ärgert man sich kurz, dass man nicht zweidreihundert Euro für eine Nacht dort drinnen ausgegeben hat, damit man jetzt dort oben in 200 Metern Höhe den Swimmingpool nutzen könnte. Aber dann kauft man sich einfach für acht Euro ein Avocado-Eis und dann geht’s wieder.

Wir waren zwei Tage in Singapur und nutzten die Stadt eher als Ausgangsbasis für unseren Indonesientrip. Da kann man sich schon mal an das Klima gewöhnen und den Jetlag überstehen. Höhö. Wir aßen viel indisches Essen, tranken Cocktails in der Bar jenes Hotels, sahen die obligatorischen Licht- und Lasershows, und hatten am Ende das Gefühl, alles erlebt zu haben. Singapur also. Und am dritten Tag machten wir uns wieder auf zu diesem Flughafen. JetStar Airways flog uns dann drei Stunden südlich auf die Insel Java. Und damit begann dann unsere Reise.

20. März 2016 Indonesien, Urlaub 2 Kommentare

Ich glaube, das könnte die längste Phase gewesen sein, in der ich nicht im Urlaub oder auf einer sonstigen Reise war. Ich habe inzwischen furchtbares Fernweh, das nur noch größer wird, wenn ich meinen Instagram Stream anschaue und sehe, dass anscheinend alle meine Freunde in Thailand, Australien, Spanien oder Portugal unterwegs sind. Also dort wo es gerade schön warm und hübsch und genau das Gegenteil von hier ist.

Doch sehr bald schon ist diese reiselose Zeit vorbei. Am 1. Mai nämlich darf ich endlich wieder ein Flugzeug besteigen, nachdem ich vorher endlich wieder einen Koffer packen durfte. Oh ja, ich freue mich aufs Kofferpacken. Ich freue mich auch jetzt schon darauf, dass ich endlich wieder eine Reiseroute aussuchen und planen kann, ich freue mich darauf Badesachen zu kaufen, zum Tropenmediziner zu gehen, eine Reiseapotheke zusammenzustellen, Flüge und Hotels zu buchen, Travelblogs zu lesen, Wandertouren rauszusuchen, Kameraequipment zusammenzustellen und natürlich die Tauglichkeit der beiden Schnorchelsets zu überprüfen, nachdem ich diese im Keller wiedergefunden habe.

Das spannendste für mich an den Vorbereitungen ist das Erstellen einer Reiseroute. Das impliziert jetzt natürlich, dass man nicht irgendwohin fliegt und den ganzen Urlaub über an diesen einzigen Ort bleibt, was ja auch manche Menschen tun. Aber es hat sich herausgestellt, dass wir es lieben, während des Urlaubs von Ort zu Ort zu reisen und so möglichst viel von einem Land oder einer Region sehen und erleben zu können. Und insbesondere bei Indonesien wäre es viel zu schade, nicht mehr als eine Insel (yes, I’m talking about Bali) zu besuchen.

Indonesien, also. Wie kommt man bloß darauf? Als unser guter Freund Daniel letztes Jahr für ein paar Wochen nach Indonesien flog und uns Fotos von Vulkanen bei Sonnenaufgang schickte, wollte ich nichts mehr, als genau dort hin. Eigentlich stand Indonesien gar nicht auf meiner Liste, wir hatten eher schon Südamerika oder Japan im Visier. Doch dann haben diese Fotos alles verändert. Vulkane, ey!

Ich fing an mich näher mit diesem Land auseinanderzusetzen, holte mir Erfahrungsberichte von Freunden und Kollegen, stöberte in Blogs und im Lonely Planet herum, und entschied dann, was genau und wo genau ich in Indonesien hin möchte. Das Land ist so riesig und hat über 17.000 Inseln, dass man natürlich nicht alles auf einmal sehen kann. Aber ich wollte unbedingt die folgenden Elemente enthalten haben:

  • Vulkane: Eine nächtliche Wandertour hoch zum Vulkan Bromo auf Java und eine weitere Tour auf das Ijen-Plateau zu den Kraterseen. Eventuell noch auf den Kelimutu auf der Insel Flores zu den drei farbigen Kraterseen
  • Komodo-Warane: Das einzige natürliche Vorkommen dieser beeindruckenden Tiere weltweit befindet sich auf der kleinen Inselgruppe Komodo zwischen Sumbawa und Flores. Bucketlist-Ding.
  • Schnorcheln: Seit Thailand bin ich großer Schnorchelfan und kann es nicht abwarten, endlich wieder bunte Korallen und Fische und Haie und Seeigel und Seeschlangen sehen zu können. Indonesien ist anscheinend ausgezeichnet zum Schnorcheln; es liegt im sogenannten Korallendreieck. Auf Bali gibt es wohl auch ein versunkenes Schiff aus dem zweiten Weltkrieg, das man gut erschnorcheln kann.
  • Türkis- und azurblaues Meer: Der Anblick eines weißen Sandstrandes mit türkisblauem Wasser ist für mich ungefähr der Inbegriff für Perfektion.

Die einzige Restriktion lautet: Drei Wochen Zeit.

Am einfachsten war der Flug. Da Singapur der perfekte Ausgangspunkt für eine Indonesienreise ist und es viele gute Flüge dorthin gibt, kann man den einfach erstmal buchen, bevor man überhaupt weiß, wie es weitergeht.
Dann war ziemlich schnell klar, dass die Region „Nusa Tenggara“, also ungefähr das Gebiet der kleinen Sundainseln, diejenige ist, mit der sich alle oben genannten Ziele am besten in drei Wochen erfüllen lassen.
Dazu zählen nun also folgende Inseln: Java, Bali, Lombok & Gili Islands, Komodo und Flores. (von West nach Ost)

Und so sieht das dann auf einer Karte aus:

Es sind jetzt noch etwa sechs Wochen bis es endlich los geht. Zeit genug, um die restlichen Hotels und Flüge zu buchen, die genauen Abfahrtszeiten und -orte der Fähren und Boote herauszusuchen, Touren zu planen, sich gegen Tollwut impfen zu lassen und sich einen Drybag zu kaufen.

Ich bin so aufgeregt!

7. August 2015 Cities, Kroatien, Urlaub

Hier eine kleine Sammlung meiner snapchat stories, die während des Kurzurlaubes in Kroatien entstanden sind. Sie fasst alles Wesentliche und Spannende auf der Reise zusammen, so dass ich nichts weiter dazu schreiben brauche.
(Ich werde aber vielleicht noch einen Beitrag mit Fotos veröffentlichen.)

Folgt mir auf snapchat: browsepulver

24. Juni 2015 Cities, Schweden Ein Kommentar

Alles fing damit an, dass wir Daniel eine Flasche schwedischen Gin schenkten. Spezial-Gin aus einer kleinen Destillerie in Wannborga, auf der Insel Öland. Importiert nach Deutschland. Die Flasche war ein symbolischer Akt, weil Daniel für ein Jahr nach Stockholm gehen wollte und wir ihm damit versprachen, dass wir diesen Gin mit ihm trinken werden, wenn wir ihn dort besuchen kommen. Das war letztes Jahr.

Jetzt im Mai war es dann soweit. Von Stuttgart über Bremen flogen wir zu dritt nach Stockholm Skavsta. Ryanair, yay. Daniel holte uns mit seinem Auto ab, den Gin hatte er im Kofferraum. Wir hatten uns für einen Tag ein Haus in Vadstena am Vätternsee gemietet. Die kleine idyllische Stadt Vadstena ist so niedlich, überall diese wunderhübschen roten Schwedenhäuser, viele grüne Wiesen, blühende Bäume und das Wasser des Vätternsees glitzert so bilderbuchhaft, dass einem fast schwindelig wird. Und genau dort feierten wir unser Wiedersehen.

Doch den Gin rührten wir an diesem Abend nicht an. Zu müde waren wir, zu schade wäre er gewesen. Also packten wir die Flasche am nächsten Morgen wieder ein und fuhren nach Stockholm. Daniel lief mit uns zuerst kurz zu den klassischen Orten, wie Gamla Stan, zeigte uns dann aber auch die spannenderen Viertel in Södermalm.

Am Abend wollten wir zu einer Party von Daniels Uni und wir beschlossen dafür nun endlich den Gin zu öffnen. Doch als wir nach der Flasche suchten, fiel uns wieder ein – Achtung plot twist – dass wir den Gin doch nicht eingepackt hatten und ihn stattdessen in Vadstena im Kühlschrank vergessen haben!

Wir schrieben dem Gastgeber Hendrik und fragten, ob er die Flasche per Post nach Stockholm schicken könne. Hendrik fragte, ob er nicht lieber Geld schicke könne, damit er den Gin selbst trinken kann. Haha. Nein.

Also gab es an diesem Abend keinen Gin, sondern für 500 Kronen Biere aus dem Systembolaget. Dafür war die Uniparty super und warum sind alle Schweden so verdammt hübsch?

Den nächsten Tag verbrachten wir auf der Insel Värmdö, eine von hunderttausend Schäreninseln vor der Küste Stockholms. Wir suchten uns ein nettes abgelegenes Plätzchen direkt am Wasser. Und wieder ist alles so idyllisch, so still, so pittoreske. Da stehen kleine Mini-Schwedenhäuser als Bootsanlegestellen irgendwo im Nirgendwo. Und gleich kommen Annika und Tommi um die Ecke.

Tatsächlich gehen wir abends nochmal weg, zu diesem coolen Bar-Lounge-Dings unter einer riesigen Autobahnbrücke. Überall läuft gute Musik, Lichter bestrahlen die gewaltigen Betonpfeiler, hübsche Menschen sitzen auf chilligen Holzbänken oder spielen Super Mario, das an Betonwände projiziert ist. Wow, ich will sowas für Stuttgart!

Als wir am nächsten Tag nach Hause fliegen ist der Gin noch immer in Vadstena. Irgendwann kann sich Hendrik doch durchringen, ihn nach Stockholm zurückzuschicken.

Vor zwei Wochen kam Daniel dann zurück nach Deutschland und brachte den Gin wieder mit. Ungeöffnet! Und irgendwie haben wir es auch bei unserem erneuten Wiedersehen nicht übers Herz gebracht, das zu ändern. Es bleibt also spannend!

(Ich schäme mich an dieser Stelle kurz für die unnötige Klimabilanz, die wir durch diese Flasche verursacht haben.)

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