30. Oktober 2016 Indonesien, Urlaub

Ich sah irgendwann mal eine Dokumentation zu Echsen und Waranen und was mir im Gedächtnis blieb, waren die Komodowarane, die größten lebenden Echsen der Erde. Offenbar waren sie so gefährlich, dass auch schon mal Menschen gefressen wurden. Das passte auch zu meiner Erinnerung an den James Bond Film Skyfall, in der diese Tiere auf Mr. Bonds Tod warteten.

Was diese Warane zusätzlich besonders macht, ist die Tatsache, dass sie nur auf einer kleinen Inselgruppe im indischen Ozean auf natürlicher Weise vorkommen und leben. Eine Inselgruppe namens Komodo Islands, die zu Indonesien gehört und damit prädestiniert war, auf unserer Reise erkundet zu werden. (Platz 2 auf meiner Must-Do Liste)

Die Komodo Islands liegen vor Flores, 500 km weiter östlich von Bali. Mit einem Boot kann man gerne mal drei Tage dorthin unterwegs sein. Mit dem Flugzeug ist man in einer Stunde in Labuan Bajo, einer der wenigen Städte auf Flores. Hier merkt man sofort den krassen Unterschied in der Bevölkerungsdichte. Während auf Java noch etwa 1000 Menschen pro qkm leben, sind es hier nur knapp 100. Flores war einst eine portugiesische Kolonie, den Namen und die christliche Religion haben die Portugiesen mitgebracht.

Während des Fluges ziehen tausende kleinere und größere Inseln an einem vorbei. Wenige sind besiedelt, die meisten sind geprägt von riesigen Gebirgs- und Waldketten. Gefühlt befindet man sich am Ende der Welt, wenn man schließlich landet. Ein Fahrer holt uns am Flughafen ab und bringt uns in unser Hotel für die nächsten vier Tage. Es liegt zwar direkt am Meer, aber wegen der Gezeiten kann man nicht schwimmen oder gar schnorcheln. Dort jedenfalls nicht.

Unser erstes Ziel aber waren sowieso die Komodo Islands. Unser Hotel organisierte uns ein Boot samt Kapitän, der uns um 4 Uhr morgens abholte und zum Hafen brachte. Es war stockfinster als wir das Boot betraten, doch den Sonnenaufgang auf See zu sehen, ist ungefähr wunderschön und dafür lohnt sich jedes frühe Aufstehen. Drei Stunden lang tuckert das kleine Motorboot vor sich hin, wieder ziehen diese Inseln an uns vorbei. Von unten sind sie noch beeindruckender. Die Berge sehen aus wie moosbewachsene Elefantenbeine.

An der größten der Inseln legen wir schließlich an. Die ganze Region ist Naturschutzgebiet und man darf hier nie allein durchlaufen, sondern immer nur in Begleitung eines Rangers. (Wegen der menschenfressenden Warane nämlich). Tatsächlich interessieren sich die Komodo Dragons, wie sie hier überall genannt werden, kaum für Menschen und sind eher scheu. Aber weil immer mal wieder ein Besucher verloren gegangen ist, hält sich der Mythos wohl.

Während der Führung durch einen winzigen Teil der Insel erzählt der Ranger natürlich allerhand Wissenswertes zu den Tieren und plaudert aus seinem Erlebnisschatz. Viele Warane sieht man dabei aber nicht und wenn doch liegen sie meist faul im Gebüsch herum. Dann denkt man sich, was der ganze Trubel soll, bis sie plötzlich aufstehen, ihre Zunge schnalzen und ihre vier krummen Beine in Bewegung setzen. Dann nämlich spürt man die Größe der Tiere und weiß, dass sie in wenigen Sekunden angesprintet kommen könnten. Beeindruckend in jedem Fall und tatsächlich haben sie irgendwie Ähnlichkeit mit Drachen.

Nach zwei Stunden fahren wir zur Nachbarinsel Rinca, auf der ebenfalls Warane leben. Sie sehen ein bisschen anders aus, aber nicht weniger beängstigend. Die Chance, welche zu sehen, ist hier etwas größer. Richtig aufregend wird es, wenn man einen kleinen Mini-Waran entdeckt, der torkelnd durchs Geäst rennt.

Zum Abschluss können wir noch ausgiebig um die Inseln herum schnorcheln, unter anderem am Pink Beach, der wegen rosafarbener Korallenreste ein bisschen eingefärbt wird. Dort zu schnorcheln ist wunderschön. Endlich. Nach Bali und den Gilis war ich schon fast etwas enttäuscht, aber hier wurde ich für mein Warten belohnt! Tausendfarbige Korallen und Fische machten mich unendlich glücklich. Ich könnte stundenlang nur zugucken.

Am dritten Tag auf Flores charterte wir uns wieder ein Boot und ließen uns auf eine kleine unbewohnte Insel fahren. Der Kapitän legte an, ließ uns aussteigen und begann sein Nickerchen. Wir konnten hier bleiben so lange wir wollten, um die Insel herum schwimmen, schnorcheln, am Strand liegen und waren fast ganz allein auf dieser Insel. Wow.

Mit diesem Highlight schließt unsere Indonesien Reise 2016. Wir flogen am nächsten Tag über Bali wieder zurück nach Singapur und von dort wieder Richtung Heimat. Insgesamt war Indonesien und insbesondere Flores landschaftlich überwältigend. Vulkane, Traumstrände und dieses viele Grün überall.

Aber das Land ist auch sehr anstrengend. Das immerschwüle Klima, die vielen Menschen und der Transit zwischen zwei indonesischen Orten beanspruchen einen schon deutlich. Man weiß nie so richtig, wie man irgendwo hin kommt, wen man fragen kann oder wen besser nicht, wann man losfährt oder wann man ankommt. Es ist immer ein bisschen raten und hoffen dabei, dass alles gut geht. Aber das tat es ja. Und am Ende fliegen wir mit einem Lächeln und vielen wunderschönen Erinnerungen im Kopf nach Hause. Danke Indonesien!

26. August 2016 Indonesien, Urlaub

Lombok ist in etwa so groß wie Bali und liegt direkt östlich davon. Mag man den Reiseführern glauben, so gilt Lombok als Geheimtipp für alle, denen Bali zu überlaufen ist. Hier gibt es teilweise noch viele unberührte Landschaften und vor allem traumhafte Strände. Vor dem Nordwesten Lomboks liegen zudem drei winzige Inseln namens Gili Islands, von denen ich in unzähligen Blogs las, wie wunderbar dort die Unterwasserwelt und die Strände sein sollten.

Und dann wären wir auch schon beim Thema: Ich bin gefühlt mein ganzes Leben lang auf der ständigen Suche nach DEM perfekten Strand. Der, der keine Filter braucht. Der 360-Grad rundum makellos ist. Hell-türkisblaues klares Wasser bis zum Horizont, puderzuckerfarbener Sandstrand, keine Algen, kein Müll und vermutlich auch keine anderen Menschen. Es gab einige Male, an denen ein Strand nah an diese Erwartungen herankam. Aber geschafft hat es bisher keiner.

Um nicht zu viel Zeit zu vergeuden, buchten wir eine Speedbootüberfahrt von Bali nach Gili Trawangan, die größte der drei Gilis. Mit einer Fähre hätten wir drei Stunden gebraucht, stattdessen erreichten wir schon nach gut einer Stunde unser Ziel. Wir hörten einiges darüber, dass Menschen ob der hohen Wellen und Geschwindigkeit des Bootes Übelkeit empfinden würden. Doch mit ein paar Vomextabletten sinkt man eher in einen Tiefschlaf und wacht gemütlich bei der Ankunft wieder auf. Entspannteste Bootsfahrt ever!

Auf den Gili Islands sind jegliche motorisierte Vehikel verboten. Das ist einerseits eine wohltuende Abwechselung gegenüber Java und Bali. Andererseits werden nun stinkende Motorräder gegen stinkende Pferdekutschen ersetzt. Was irgendwie schlimmer ist, denn überall muss den Kutschen und den Ausscheidungen der Pferde ausweichen und der Geruch weht einem überall auf der Insel um die Nase. Nichtsdestotrotz sorgt das Motorverbot auch dafür, dass fast jeder mit dem Fahrrad unterwegs ist. Und da die Inseln so klein sind, kann man sie auch gerne mal in einer Stunde umrunden. Wenn man sich dabei nicht von den teilweise wunderschönen Stränden aufhalten lässt.

Das konnte ich natürlich nicht. Fahrräder für ein paar Euro ausgeliehen, mit Lichtschutzfaktor 30 eingecremt, mit Insektenspray eingesprüht, mit Schnorchel und Badesachen ausgestattet, machten wir uns auf den Weg. Auf der Westseite der Insel ist das Wasser flach und wird von den Gezeiten beeinflusst. Nicht so gut zum baden also, aber man kann hier teilweise noch bis nach Bali rüberschauen und erkennt in der Ferne sogar den Vulkan Gunung Agung.

Im Norden ist zu viel los und nach zehn Minuten ist man sowieso schon an der Ostküste, wo das Meer diesen bestimmten Blauton einnimmt, von dem ich mittlerweile weiß, dass dort Korallen zu finden sind. Ein Blau, das dunkel genug ist, dass nicht nur Sand darunter liegt und hell genug, dass man nicht nur von Algen enttäuscht wird. Also rein ins Wasser und Schnorchel aufgesetzt, zufällig heißt der Strand hier auch noch Turtle beach.

Ich war übrigens sehr zufrieden mit dem Drybag, den ich mir vorher noch gekauft hatte. Ein wasserfester Rucksack mehr oder weniger, den man oben zusammenrollt und mit einem Stecksystem verschließt. Hinein kamen Dinge, die eigentlich nicht ins Wasser gehören: Geldbörse, iPhone, Kamera. Und damit ging ich dann schwimmen und schnorcheln. Natürlich ist nichts passiert. Wo lassen denn andere Menschen diese Dinge?

Leider waren die Korallen nur so mittelhübsch und Schildkröten habe ich auch keine gesehen. Später las ich nach, dass man viel weiter aufs Meer hätte fahren müssen, um die schönen Fische und Korallen zu sehen. Direkt an der Küste kann man es eigentlich mit dem Schnorcheln vergessen. Das gilt auch für die anderen Gili Inseln. Ein Tagesausflug nach Gili Air bestätigte dies. Aber glücklicherweise kann man noch mehr machen als schnorcheln. Nämlich mit einem kalten Bier in einem dieser pavillionähnlichen Strändhütten abhängen, zum Beispiel.

Nach drei Tagen verließen wir die Gilis und setzen nach Lombok über. Mit einem nicht-klimatisierten Minibus fuhren wir noch ein paar Stunden in den Süden bis nach Kuta. Vorn dort aus unternahmen wir in den nächsten Tagen verschiedene Rollertouren nach Osten zur Tanjung A’an Bucht sowie gen Westen zum Selong beach. Und was soll ich sagen? Die Strände dort sind einmalig und nahezu perfekt! Tanjung A’an beeindruckt mit dem türkisen Wasser und dem fantastischen Ausblick von den Felsen herab, wird aber von zu vielen Menschen besucht. Der Selong beach hat weißen Puderzuckersand, ist aber zu flach und zu wenig wellig. Die anderen kleinen Strände dazwischen sind einsam, aber Algen trüben ein wenig den Anblick.

Als wir von den Felsen am Tanjung A’an herunterliefen, entdeckten wir eine kleine versteckte Bucht. Sie war nicht wirklich öffentlich zugänglich, aber nachdem wir uns durch Geäst und Sträucher schlängelten, blickten wir auf den an diesem Tag perfekten Strand: Warmes, dunkeltürkisblaues Wasser, hohe Wellen, goldgelber sauberer Sand und kein einziger anderer Mensch.

Lombok und die Gilis boten uns ein paar wundervolle Tage, und auch wenn der Fokus dieses Textes vor allem auf die dortigen Strände lag, so kann man diese Inseln natürlich auch für gutes Essen, feiern, tauchen und relaxen nutzen. Ersteren haben wir ausführlichst getan und ich empfehle unbedingt den Red Thai Curry Wrap mit Tempeh im Pituq Café auf Gili Trawangan.

Unser nächstes Ziel hieß nun Flores und dort würden uns Dinosaurier erwarten. Oder so ähnlich.

27. Juli 2016 Indonesien, Urlaub

Vor der Reise kritisierte ich, dass Menschen nur nach Bali fliegen und den Rest Indonesiens einfach auslassen. Wo das Land doch viel mehr zu bieten hätte. Und außerdem sei Bali ja viel zu touristisch und mainstream. Naja, und dann war ich eben selbst auf Bali. Und kann nun verstehen, warum man dort hin will.

Bali überraschte mich. Es ist grüner, kultureller und hipsteriger als ich dachte. Einheimische sprechen englisch, die Infrastruktur ist gut und alles läuft ein wenig organisierter ab. Die Straßen sind natürlich immer noch voller Motorradfahrer, aber es gibt auch diese fast menschenleeren Gegenden im Norden der Insel. Dort wo es bergig und urwaldig wird oder wo kleine, versteckte Buchten ohne Touristen auskommen. Außerdem merkt man deutlich, dass Bali überwiegend hinduistisch geprägt ist, anders als auf Java oder dem restlichen Indonesien.
Und von den wunderbaren Stränden muss ich wahrscheinlich gar nicht erst anfangen…

Wir setzten mit der Fähre auf Bali über und fuhren etwa zwei Stunden mit einem Bus ins Inselinnere, wo wir schließlich unsere Unterkunft für die nächsten vier Tage erreichten. Ubud ist so etwas wie die Kulturhauptstadt der Insel. Hier gibt es chillige Cafés, vegane Restaurants, phantastische Tempel, einen bunten zweistöckigen Markt und eben jenen grünen Reis. Also, natürlich ist der Reis nicht grün, aber die riesigen Felder, auf denen Reis angebaut wird, sind es. Und wer, wie ich, noch nie gesehen hat, wie Reis in seinen einzelnen Wachstumsphasen aussieht, der kann das hier nachholen.

Ich wollte unbedingt schnorcheln gehen. Das war Grund Nummer drei für Indonesien. Die Artenvielfalt um die kleinen Sundainseln herum sollte einmalig sein und deshalb konnte ich es nach Java nicht erwarten, endlich ins Wasser zu springen.
Wir liehen uns einen kleinen Roller aus und fuhren damit etwa 2 Stunden (!) an die Ostküste der Insel. Der Virgin beach war zwar sehr schön, aber unterwassertechnisch wollten wir noch mehr. Deshalb fuhren wir noch einmal eine halbe Stunde gen Norden nach Tulamben. Dort liegt vor der Küste das Wrack eines amerikanischen Versorgungsschiffes aus dem zweiten Weltkrieg. Tatsächlich kann man einfach ein paar hundert Meter hinausschwimmen und dann die Gegend erschnorcheln. Und es war das schönste, was ich bis dahin unter Wasser gesehen habe. Auch ohne Tauchen erkennt man das Wrack sehr gut mit all seinen Korallen, die sich daran gebildet haben. Überall wimmelt es von unzähligen bunten Fische und ganz unten befinden sich Taucher, deren Sauerstoffblasen nach oben treiben. Da durch zu schwimmen ist herrlich.

Man sagt, es gehöre dazu, sich eine typisch balinesische Tanzaufführung anzusehen. In den vielen Tempeln finden regelmäßig diese Shows statt und man geht einfach zur entsprechenden Uhrzeit hin, kauft sich ein Ticket und setzt sich in den Stuhlkreis. Dann folgen 90 Minuten mit merkwürdigen Klängen und verkleideten Menschen, viel Feuer, Gesänge, Tänze und alles in einer Sprache, die man nicht versteht. Aber es ist auf gewisse Art und Weise natürlich trotzdem spannend und imposant.

Die restliche Zeit verbrachten wir auf Bali mit gutem indonesischem Essen (Tempeh <3), balinesischem Kaffee, Rollerfahrten und unserem Hotelpool. Fünf Sterne, gerne wieder.

Bali ist so groß, dass wir in vier Tagen nur einen kleinen Teil kennenlernen durften. Aber diese vier Tage reichten aus, dass ich die Insel jetzt ein bisschen mag und verstehe, warum sie so beliebt ist. Nichtsdestotrotz bin ich aber auch froh, dass wir weitergereist sind und auch das „andere“ Indonesien besuchten. Denn das wurde am Ende noch schöner als Bali.

18. Juli 2016 Indonesien, Urlaub

Java ist vielleicht der krasseste Einstieg für Indonesien. Während das Land auf über 17.000, teilweise unbewohnten Inseln verteilt ist, leben auf Java allein schon 130 Millionen Menschen. Und das auf einer Fläche so groß wie Island. Die beiden Städte Jakarta und Surabaya machen dabei etwa ein Zehntel der Einwohner aus. Und nun sollte ausgerechnet Surabaya der Beginn unserer Indonesien-Erfahrung werden.

Wir landeten gegen Mittag und hatten nur ein Ziel: Irgendwie eine Tour organisieren, die uns noch in dieser Nacht zum Vulkan Bromo bringt. Es gab im gesamten Flughafen nur einen vermeintlichen Info-Stand, bei dem wir unser Glück versuchten. Tatsächlich boten sie uns eine dreitägige Tour zum besagten Bromo und einem weiteren Vulkan im Osten Javas an. Wir gaben dem netten Mann vom Infostand unsere Hoteladresse und ungefähr 4 Millionen Rupiah. Das ist die Währung in Indonesien und zuerst muss man kichern, weil Millionen und so. Dann taucht das Problem auf, dass ein Geldautomat nur maximal eine Million Rupiah ausgeben kann, weil mehr Scheine nicht durch den Ausgabeschlitz passen. Well.

Rupiah

Wir ließen uns noch erklären, wie man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in „die Stadt“ gelangt, völlig unwissend, dass „die Stadt“ die zweitgrößte dieser Insel ist. Zunächst fuhren wir noch mit einem okayen Minibus los, mussten dann aber an einem riesigen Busterminal umsteigen. Hunderte Busse standen da und noch viel mehr Menschen, die alle in verschiedene Richtungen wollten. Und keine Beschilderung oder Auskunftshinweise. Wir fanden schließlich in einem Hinterhof unseren Local Bus und fuhren Richtung Surabaya. Theoretisch wäre unser Ziel von dort aus zehn Minuten entfernt gewesen. Allerdings ist Surabaya unglaublich voll von Menschen, Autos und Motorräder, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe. Der Bus kam überhaupt nicht mehr voran und überall schlängelten sich tausende von Motorradfahrer an uns vorbei. Nach etwa einer Stunde stiegen wir endlich aus und liefen den Rest zu unserem Hotel. Es war heiß und schwül und laut und dreckig. Wow. Das Hotel allerdings war klimatisiert und schön und es gab Wifi. Mittlerweile war es Nachmittag und wir legten uns schlafen, denn um elf Uhr abends holte uns unser Fahrer vom Hotel ab.

Neben vielen Menschen gibt es auf Java nämlich zwei atemberaubende Naturschauspiele, die für mich der Grund Nummer eins waren, überhaupt nach Indonesien zu reisen. Vulkane! Sie sind für mich so unglaublich beeindruckend, weil es sie bei uns so selten gibt und irgendwie wie aus einer anderen Zeit zu sein scheinen. Der Vulkan Bromo ist ein aktiver Stratovulkan im Süden Javas, der zusammen mit anderen Vulkanen im Tenger-Massiv vor sich hin brodelt.

Wir fuhren also durch die Nacht mit einem Touristenguide und einem Fahrer. Selbst nachts um eins war Surabaya noch voll von herumwuselnden Menschen und -natürlich- Motorrädern. Die Straßen waren dunkel, aber belebt wie zu Tageszeiten. Ich habe keine Ahnung ob Indonesier jemals schlafen. Unser Fahrer fuhr wie verrückt und überholte alles, was ihm auf der einspurigen Straße in den Weg kam. Irgendwann biegten wir in das Gebirgsgelände ab und es war mit einem Mal so still. Kein einziges Auto war mehr zu sehen oder zu hören. Und es war richtig dunkel. Ich sah nur leicht den Schatten des Urwaldes, durch den wir fuhren und stellte mir vor, wie grün hier alles am Tage aussähe.

Nach einer Weile wechselten wir in einen Geländewagen, den unser Guide irgendwie zuvor telefonisch organisiert hatte. Dieser fuhr dann auch tatsächlich steil die Berge hinauf auf eigentlich unbefahrbare Straßen. Es schaukelte und wackelte und mir wurde übel. Es war drei Uhr nachts und immer noch stockfinster. Schließlich kamen wir oben an, stiegen aus und eine wahnsinnige Kälte überfiel uns. Wir wanderten noch einige hundert Meter durch die Dämmerung bis wir schließlich zum Sonnenaufgang den Blick auf den Bromo erleben durften.

Bromo Aussicht

Bromo Sunrise Sonne

Nachdem wir tausend Fotos von dem Aussichtspunkt gemacht hatten, fuhren wir wieder hinab ins Tal. Dort um die Vulkane herum befindet sich ein weitgestreckter „Sandsee“ aus versteinerter Lava und vertrocknetem Aschestaub. Durch diesen See läuft man dann hindurch und gelangt dann zum Fuße des Bromos. Durch eine dicke Nebelschicht kämpft man sich noch zweihundertfünfzig Treppenstufen nach oben und darf dann in das Herz des Vulkans hineinschauen.

Bromo Loch

Bromo Blick zurück

Bromo Nebel schwarz weiß

Weiter ging es nun Richtung Osten zurück auf die vielbefahrene Hauptstraße. Wir waren so müde, dass wir fast komplett die sechs Stunden Autofahrt hinten auf dem Rücksitz schliefen. Der Guide und der Fahrer waren hingegen topmunter. I don’t know. Wir erreichten ein kleines Örtchen namens Bondowso, wo wir in ein Hotel eincheckten, kurz zu Abend aßen und dann abermals sehr früh zu Bett gingen. Denn um Mitternacht klopfte es an unserer Tür und unser Guide war bereit zur Abfahrt. Von dort aus fuhren wir wieder zwei Stunden durch ein Hochgebirge und erreichten dann den Eingang des Nationalparks.

Ausgestattet mit einer Stirnlampe, einer Gasmaske und fünf Lagen Kleidung machten wir uns auf den sehr anstrengenden Weg zum 2000 Meter hoch gelegenen Ijen. Das ist also dieses Wandern. Nur zusätzlich mit Dunkelheit und Kälte und diesem Schwefel. Zu Beginn benötigt man noch keine Maske und man ärgert sich schon ein bisschen, dass man überhaupt eine mitgenommen hat. Aber dann nach einer Stunde Fußmarsch wird die Luft so voll von Schwefel, dass man es gar nicht anders aushalten würde.

Eine halbe Stunde später erreicht man den Gipfel, aber alles ist noch viel zu dunkel, als dass man irgendeine Aussicht genießen könnte. Und dann folgt die zweite Bewährungsprobe. Über eine sehr steile und schmale Steintreppe kann man nämlich wieder 700 Meter hinab in den Krater des Ijens steigen. Dort unten irgendwo befindet sich dann ein Kratersee voller giftigem Schwefel. Und wenn Schwefelgase aus Gesteinen austreten und sich entzünden, dann entstehen die sogenannten „Blue Fire“. Man kann sie nur bei Dunkelheit sehen, daher diese nächtliche Tortur.

Blue Fire

Ijen Schwefelaustritt dunkel

Ijen Selfie

700 Meter hinab und 700 Meter wieder hinauf. Was ich zum Glück nur einmal machen musste, schaffen die hiesigen Schwefelbauer drei Mal am Tag. Sie steigen in den Krater des Ijens und bauen dort den hartgewordenen Schwefel ab. In großen Blöcken legen sie ihn dann in ihre kleinen Körbe und tragen die bis zu 70 kg schwere Last über ihre Schultern wieder bis ganz nach oben und anschließend ins Tal. Dort wird der Schwefel gewogen und die Bauern entsprechend ausbezahlt. Ihr Tageslohn liegt bei 5 Euro. Das ist dreimal so viel wie ein Kaffeebauer am Tag verdient. Und obwohl Schwefel eigentlich ein Abfallprodukt der Industrie ist, das sehr günstig auf dem Weltmarkt zu erwerben ist, unterbieten die Schwefelbauer diesen Preis noch weiter. Aber dafür nehmen sie die gesundheitlichen Risiken der Schwefelgase und einer möglichen Verletzung durch den Auf- und Abstieg in den Krater in Kauf. Das ist für mich so unvorstellbar. Nicht umsonst gilt dieser Beruf als der Härteste in der Welt.

Ijen Schwefel

Ijen Seite Schwefelaustritt

Als Tourist, der hier an diesen unwirklichen Ort kam und dieses einmalige Treiben erleben durfte, habe ich größten Respekt vor Natur und den Menschen hier. Die Landschaft um und innerhalb eines Vulkanes zu sehen, war unglaublich aufregend und auf gewisse Art wunderschön. Aber ich bin auch sehr froh, dass ich diese Gasmaske nicht dauerhaft tragen muss und nach zwei durchzechten Nächten sehnte ich mich auch etwas danach, wieder zu normalen Zeiten schlafen gehen zu können.

Ijen Seite Nebel

Ijen Seite

Unser Fahrer brachte uns noch bis an das Fährterminal im Osten Javas, wo wir uns verabschiedeten und schließlich mit einem Bus nach Bali übersetzten. Dort wollten wir die nächsten vier Tage verbringen.

13. Juli 2016 Cities, Indonesien, Urlaub

Alles beginnt immer mit einer großen unbekannten Stadt und einer Höllenhitze. Da landet man nach sechszehn Stunden Flug, windet sich gemütlich aus der Flugzeugdecke und verdaut gerade noch das Konservenfrühstück. Mit müdem Blick holt man erst seine Koffer und wird gleich danach ganz wachsam, wenn man sich an die Schlange der Immigration control anstellt. Denn in Singapur gelten viele strenge Regeln und man hört Geschichten von Menschen, die unschuldig zu Drogenkurieren wurden und dann erwischt wurden und seither in einer Todeszelle sitzen, und die Einfuhr von Kaugummis ist auch verboten.

Kein „Hello, M’am“, kein „how you doing“, kein „what’s the purpose of your stay“. Der Immigration officer nimmt mir das bereits im Flugzeug ausgefüllte Formular ab und stempelt meinen Reisepass, zackzack. Die Zollbeamten würdigen mich keines Blickes und sodann verlasse ich den Securitybereich. Einige Fahrten mit dem Skytrain und tausenden von sich über mehrere Etagen kreuzenden Rolltreppen später, gelange ich zur U-Bahn, die mich nach Downtown bringt. Und dann befinde ich mich endlich offiziell in Singapur. Hi!

Jetzt liegt Singapur nun mal am Äquator und dementsprechend sollte man nicht unbedingt kühles und angenehmes Klima erwarten. Es ist dort eben richtig heiß. So richtig richtig. So, dass man nach zwei Minuten an der Luft komplett durchgenässt und außer Atem ist. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass man tagsüber nur draußen ist, um von einem klimatisierten Gebäude zum nächsten zu gelangen. Erst in den Abendstunden wird es langsam angenehmer und besonders am Hafen lässt es sich dann mit der Minibrise aushalten.

Dabei ist Singapur eigentlich eine schöne Stadt. Es ist so sauber, wie man sagt. Und man kann sich kaum vorstellen, wie viel dieses Kaugummiverbot ausmacht. Die Straßen und Gehwege haben keine dieser dunklen Flecke und das macht alles irgendwie besser. Was ich aber auch bemerkte, war das Fehlen dieses typischen asiatischen Straßengeruchs. Der Geruch von Abgasen, Garküchen oder Müll. Einfach nicht vorhanden. Niemand stellt sich hier mit einem Streetfood-Wagen an die Straße. Es ist einfach zu heiß.

Und so erlebt man Singapur hauptsächlich in cleanen, durchgestylten Innenräumen (Museen, Einkaufszentren) oder am Hafen in den kleinen Cafés und Bars. Oder wenn man ganz mutig ist, lässt man sich kurz darauf ein, durch die schönen künstlichen Gardens by the bay zu schlendern. Es gibt dort reichlich Schattenplätze. Und wenn man schon mal dort ist, wirft man noch einen Blick auf das berühmte Marina Bay Sands Hotel, das oben wie ein schiefes Surfbrett mit Alligatorenhaut aussieht. Dann ärgert man sich kurz, dass man nicht zweidreihundert Euro für eine Nacht dort drinnen ausgegeben hat, damit man jetzt dort oben in 200 Metern Höhe den Swimmingpool nutzen könnte. Aber dann kauft man sich einfach für acht Euro ein Avocado-Eis und dann geht’s wieder.

Wir waren zwei Tage in Singapur und nutzten die Stadt eher als Ausgangsbasis für unseren Indonesientrip. Da kann man sich schon mal an das Klima gewöhnen und den Jetlag überstehen. Höhö. Wir aßen viel indisches Essen, tranken Cocktails in der Bar jenes Hotels, sahen die obligatorischen Licht- und Lasershows, und hatten am Ende das Gefühl, alles erlebt zu haben. Singapur also. Und am dritten Tag machten wir uns wieder auf zu diesem Flughafen. JetStar Airways flog uns dann drei Stunden südlich auf die Insel Java. Und damit begann dann unsere Reise.

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