Griechenland 2016 – Ein Festland-Roadtrip

Es liegt vielleicht nicht so nahe, das griechische Festland zu bereisen, noch bevor man jemals auf Kreta, Korfu oder Kos war. Denn typischerweise erkundet der gemeine Griechenland-Urlauber gern die wunderschönen Inseln, mit denen das Land so reichlich beschenkt wurde. Aber wir machten das im September 2016 einfach ganz anders und flogen nach Thessaloniki. Das liegt im Nordosten des Landes, also des Festlandes. (Und der Flug war auch noch günstig, so that is that.)

Nicht, dass wir erstmal nach der Ankunft ein paar Tage in eben jener Stadt verbracht hätten, nein, uns zog es gleich weiter nach Papigo, wo wir zum Rafting verabredet waren. Wir hatten die Fahrt dorthin ein bisschen knapp kalkuliert. Mit dem Abholen des Mietwagens, dem Verkehr in Thessaloniki und dem Hagelschauer auf der Autobahn kamen wir nach vier Stunden gerade noch rechtzeitig an. Die Sonne hatte sich wieder durchgesetzt, es waren angenehme 25 Grad und der Fluss glitzerte in seinem schönsten Türkis vor sich hin.

Das Rafting an sich war ok, es war nicht so schnell und wackelig, wie erwartet, weil die Höhenunterschiede relativ gering waren. Aber mich beeindruckte allein schon dieses eiskalte, glasklare Wasser des Flusses, bei dem man in drei Metern Tiefe noch den Grund sehen konnte. Auch die Schlucht, durch die wir fuhren, zählt zu den spektakulärsten des Landes. Dementsprechend zufrieden waren wir dann doch am Ende.

Unser Schlafplatz für die Nacht war ein Airbnb oberhalb der Berge. So weit oben, dass wir am nächsten Morgen in den Wolken aufwachten.

Ungefähr in der Mitte des Landes liegt Meteora, ein kleiner Ort, der die gleichnamigen Klöster beherbergt. Sie wurden auf hohen Sandsteinfelsen gebaut und das ist so cool, dass es zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Insgesamt gibt es dort 24 Klöster, die man teilweise auch besuchen kann. Tatsächlich sind sie innen aber nicht mal ansatzweise so spannend wie von draußen.

Am Nachmittag geht es weiter nach Delphi. Ich versuche währenddessen mein Griechisch aufzupolieren und Straßenschilder zu lesen. All die Mathematikstunden mit den alphas und betas machen plötzlich Sinn. Delphi = Delphoí = Delta Epsilon Lambda Phi Omikron Iota = Δελφοί

Wir dachten Delphi wäre bestimmt langweilig und voller Durchgangstourismus, aber dem war gar nicht so. Die Stadt ist eher ein Örtchen mit einer Hauptstraße und kleinen Cafés und Läden an der Seite. Davon gehen kleine Gassen steil nach oben ab und in zehn Minuten ist man auf dem Hügel auf dem das Orakel steht. Oder das was noch davon übrig blieb.

Viel steht ja nicht mehr und man kann nur erahnen wie diese Stadt mal ausgesehen haben muss. Das Orakel selbst ist eigentlich der Tempel des Apollon. Der Rest sind hauptsächlich Steine. Wenn man nicht vorher in dem angrenzenden Museum war oder griechische Kulturgeschichte studiert hat, erfährt man leider nicht so viel zum Hintergrund dieser Stätte. Die wenigen aufgestellten Tafeln, enthalten endlosen Text in Blocksatz voller unbekannter Wörter. Ain’t nobody got time to read that.

Nächste Lektion: Αθήνα = Alpha Theta Eta Ny Alpha = Athína = Athen

Wir mieteten uns ein kleines Airbnb für drei Nächte mitten in der Stadt. Von dort aus erkundeten wir die mal mehr oder weniger bekannten Plätze, saßen in Cafés, tranken Frappé, aßen Feta und Oliven oder schlenderten die kleinen Gassen entlang. Am schönsten waren die weißen Häuser mit den knallblauen Fensterläden am Hang unterhalb der Akropolis. Hier gibt es auch die süßesten Katzen.

Die Akropolis war vielleicht das Langweiligste an Athen. Erst steht man unten in der brütenden Sonne für Tickets an, dann erklimmt man den beschwerlichen holprigen Weg nach oben und dann findet man hauptsächlich Kräne und Baugerüste vor, die um den Tempel staffiert sind. Fotos sind also eigentlich unbrauchbar.

Übrigens: Das, was man gemein hin für die Akropolis hält, ist eigentlich das Parthenon.

Der einzige Grund da hochzulaufen, ist der atemberaubende Blick hinab in die Stadt. Und Katzen.

Um wenigstens ein bisschen Strandfeeling zu erhaschen, beschlossen wir auf dem Rückweg noch an die Ostküste Griechenlands zu fahren. Es war eigentlich ein kompletter Umweg, da man dafür ein Gebirge mit vielen Serpentinen und steilen Hängen überwinden musste. (Ich stelle mir dann immer vor, wie lange es noch dauert bis autonome Autos diese Situationen beherrschen können.)

Nach ein paar Stunden kommen wir in Chorefto an, oder besser gesagt Χορευτó, einem kleinen Dorf irgendwo an der Ägais. Zum Glück findet hier sonst niemand hin, denn der Strand ist bis auf ein paar Einheimische leer. Das Meer ist perfekt blau und lädt zum Baden ein. Später ziehen zwar ein paar Wolken auf, wir springen trotzdem rein und lassen anschließend den Tag mit Feta und Oliven ausklingen. Oder so.

Den letzten Tag verbringen wir schließlich wieder zurück in Thessaloniki, oder wie die coolen Kids sagen: Saloniki. Oder wie der Grieche sagt: θεσσαλονίκη

Wenn wir vorher gewusst hätten, wie schön Saloniki ist, hätten wir wahrscheinlich mehr Zeit hier als in Athen verbracht. Es gibt eine schöne Promenade, die die Stadt umgibt mit vielen angrenzenden Cafés und hipstrigen Bars. Ein bisschen wie in Zadar.

Das Licht ist hier irgendwie anders, melancholischer und macht aus jedem Foto ein Lana Del Ray Cover. Den Abend begießen wir endlich mit ούζο in einem Restaurant, das eine eigene Ouzo-Karte hat.

Man kann das also durchaus machen. Griechenland Festland. Hier gibt es mehr Berge, mehr moderne Autobahnen und wahrscheinlich auch mehr Katzen als auf den Inseln. Und sowieso leckeres Essen und guten Wein. Prädikat empfehlenswert.

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