Java ist auch eine Programmiersprache

Java ist vielleicht der krasseste Einstieg für Indonesien. Während das Land auf über 17.000, teilweise unbewohnten Inseln verteilt ist, leben auf Java allein schon 130 Millionen Menschen. Und das auf einer Fläche so groß wie Island. Die beiden Städte Jakarta und Surabaya machen dabei etwa ein Zehntel der Einwohner aus. Und nun sollte ausgerechnet Surabaya der Beginn unserer Indonesien-Erfahrung werden.

Wir landeten gegen Mittag und hatten nur ein Ziel: Irgendwie eine Tour organisieren, die uns noch in dieser Nacht zum Vulkan Bromo bringt. Es gab im gesamten Flughafen nur einen vermeintlichen Info-Stand, bei dem wir unser Glück versuchten. Tatsächlich boten sie uns eine dreitägige Tour zum besagten Bromo und einem weiteren Vulkan im Osten Javas an. Wir gaben dem netten Mann vom Infostand unsere Hoteladresse und ungefähr 4 Millionen Rupiah. Das ist die Währung in Indonesien und zuerst muss man kichern, weil Millionen und so. Dann taucht das Problem auf, dass ein Geldautomat nur maximal eine Million Rupiah ausgeben kann, weil mehr Scheine nicht durch den Ausgabeschlitz passen. Well.

Rupiah

Wir ließen uns noch erklären, wie man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in „die Stadt“ gelangt, völlig unwissend, dass „die Stadt“ die zweitgrößte dieser Insel ist. Zunächst fuhren wir noch mit einem okayen Minibus los, mussten dann aber an einem riesigen Busterminal umsteigen. Hunderte Busse standen da und noch viel mehr Menschen, die alle in verschiedene Richtungen wollten. Und keine Beschilderung oder Auskunftshinweise. Wir fanden schließlich in einem Hinterhof unseren Local Bus und fuhren Richtung Surabaya. Theoretisch wäre unser Ziel von dort aus zehn Minuten entfernt gewesen. Allerdings ist Surabaya unglaublich voll von Menschen, Autos und Motorräder, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe. Der Bus kam überhaupt nicht mehr voran und überall schlängelten sich tausende von Motorradfahrer an uns vorbei. Nach etwa einer Stunde stiegen wir endlich aus und liefen den Rest zu unserem Hotel. Es war heiß und schwül und laut und dreckig. Wow. Das Hotel allerdings war klimatisiert und schön und es gab Wifi. Mittlerweile war es Nachmittag und wir legten uns schlafen, denn um elf Uhr abends holte uns unser Fahrer vom Hotel ab.

Neben vielen Menschen gibt es auf Java nämlich zwei atemberaubende Naturschauspiele, die für mich der Grund Nummer eins waren, überhaupt nach Indonesien zu reisen. Vulkane! Sie sind für mich so unglaublich beeindruckend, weil es sie bei uns so selten gibt und irgendwie wie aus einer anderen Zeit zu sein scheinen. Der Vulkan Bromo ist ein aktiver Stratovulkan im Süden Javas, der zusammen mit anderen Vulkanen im Tenger-Massiv vor sich hin brodelt.

Wir fuhren also durch die Nacht mit einem Touristenguide und einem Fahrer. Selbst nachts um eins war Surabaya noch voll von herumwuselnden Menschen und -natürlich- Motorrädern. Die Straßen waren dunkel, aber belebt wie zu Tageszeiten. Ich habe keine Ahnung ob Indonesier jemals schlafen. Unser Fahrer fuhr wie verrückt und überholte alles, was ihm auf der einspurigen Straße in den Weg kam. Irgendwann biegten wir in das Gebirgsgelände ab und es war mit einem Mal so still. Kein einziges Auto war mehr zu sehen oder zu hören. Und es war richtig dunkel. Ich sah nur leicht den Schatten des Urwaldes, durch den wir fuhren und stellte mir vor, wie grün hier alles am Tage aussähe.

Nach einer Weile wechselten wir in einen Geländewagen, den unser Guide irgendwie zuvor telefonisch organisiert hatte. Dieser fuhr dann auch tatsächlich steil die Berge hinauf auf eigentlich unbefahrbare Straßen. Es schaukelte und wackelte und mir wurde übel. Es war drei Uhr nachts und immer noch stockfinster. Schließlich kamen wir oben an, stiegen aus und eine wahnsinnige Kälte überfiel uns. Wir wanderten noch einige hundert Meter durch die Dämmerung bis wir schließlich zum Sonnenaufgang den Blick auf den Bromo erleben durften.

Bromo Aussicht

Bromo Sunrise Sonne

Nachdem wir tausend Fotos von dem Aussichtspunkt gemacht hatten, fuhren wir wieder hinab ins Tal. Dort um die Vulkane herum befindet sich ein weitgestreckter „Sandsee“ aus versteinerter Lava und vertrocknetem Aschestaub. Durch diesen See läuft man dann hindurch und gelangt dann zum Fuße des Bromos. Durch eine dicke Nebelschicht kämpft man sich noch zweihundertfünfzig Treppenstufen nach oben und darf dann in das Herz des Vulkans hineinschauen.

Bromo Loch

Bromo Blick zurück

Bromo Nebel schwarz weiß

Weiter ging es nun Richtung Osten zurück auf die vielbefahrene Hauptstraße. Wir waren so müde, dass wir fast komplett die sechs Stunden Autofahrt hinten auf dem Rücksitz schliefen. Der Guide und der Fahrer waren hingegen topmunter. I don’t know. Wir erreichten ein kleines Örtchen namens Bondowso, wo wir in ein Hotel eincheckten, kurz zu Abend aßen und dann abermals sehr früh zu Bett gingen. Denn um Mitternacht klopfte es an unserer Tür und unser Guide war bereit zur Abfahrt. Von dort aus fuhren wir wieder zwei Stunden durch ein Hochgebirge und erreichten dann den Eingang des Nationalparks.

Ausgestattet mit einer Stirnlampe, einer Gasmaske und fünf Lagen Kleidung machten wir uns auf den sehr anstrengenden Weg zum 2000 Meter hoch gelegenen Ijen. Das ist also dieses Wandern. Nur zusätzlich mit Dunkelheit und Kälte und diesem Schwefel. Zu Beginn benötigt man noch keine Maske und man ärgert sich schon ein bisschen, dass man überhaupt eine mitgenommen hat. Aber dann nach einer Stunde Fußmarsch wird die Luft so voll von Schwefel, dass man es gar nicht anders aushalten würde.

Eine halbe Stunde später erreicht man den Gipfel, aber alles ist noch viel zu dunkel, als dass man irgendeine Aussicht genießen könnte. Und dann folgt die zweite Bewährungsprobe. Über eine sehr steile und schmale Steintreppe kann man nämlich wieder 700 Meter hinab in den Krater des Ijens steigen. Dort unten irgendwo befindet sich dann ein Kratersee voller giftigem Schwefel. Und wenn Schwefelgase aus Gesteinen austreten und sich entzünden, dann entstehen die sogenannten „Blue Fire“. Man kann sie nur bei Dunkelheit sehen, daher diese nächtliche Tortur.

Blue Fire

Ijen Schwefelaustritt dunkel

Ijen Selfie

700 Meter hinab und 700 Meter wieder hinauf. Was ich zum Glück nur einmal machen musste, schaffen die hiesigen Schwefelbauer drei Mal am Tag. Sie steigen in den Krater des Ijens und bauen dort den hartgewordenen Schwefel ab. In großen Blöcken legen sie ihn dann in ihre kleinen Körbe und tragen die bis zu 70 kg schwere Last über ihre Schultern wieder bis ganz nach oben und anschließend ins Tal. Dort wird der Schwefel gewogen und die Bauern entsprechend ausbezahlt. Ihr Tageslohn liegt bei 5 Euro. Das ist dreimal so viel wie ein Kaffeebauer am Tag verdient. Und obwohl Schwefel eigentlich ein Abfallprodukt der Industrie ist, das sehr günstig auf dem Weltmarkt zu erwerben ist, unterbieten die Schwefelbauer diesen Preis noch weiter. Aber dafür nehmen sie die gesundheitlichen Risiken der Schwefelgase und einer möglichen Verletzung durch den Auf- und Abstieg in den Krater in Kauf. Das ist für mich so unvorstellbar. Nicht umsonst gilt dieser Beruf als der Härteste in der Welt.

Ijen Schwefel

Ijen Seite Schwefelaustritt

Als Tourist, der hier an diesen unwirklichen Ort kam und dieses einmalige Treiben erleben durfte, habe ich größten Respekt vor Natur und den Menschen hier. Die Landschaft um und innerhalb eines Vulkanes zu sehen, war unglaublich aufregend und auf gewisse Art wunderschön. Aber ich bin auch sehr froh, dass ich diese Gasmaske nicht dauerhaft tragen muss und nach zwei durchzechten Nächten sehnte ich mich auch etwas danach, wieder zu normalen Zeiten schlafen gehen zu können.

Ijen Seite Nebel

Ijen Seite

Unser Fahrer brachte uns noch bis an das Fährterminal im Osten Javas, wo wir uns verabschiedeten und schließlich mit einem Bus nach Bali übersetzten. Dort wollten wir die nächsten vier Tage verbringen.

Categories: Indonesien, Travel

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