Charleston und Savannah

Wie schön hatte ich mir das ausgemalt: Von Washington aus zum Shenandoah National Park und dort den Skyline Drive entlang fahren, an fünfhundert Scenic Views anhalten, die wunderschöne Landschaft des Parks anschauen, weiter nach Charlottesville in diese alte Monticello-Villa von Thomas Jefferson besuchen und abends voller Erlebnisse todmüde ins Bett fallen.

And then winter happened.

Am Morgen unserer Abfahrt aus Washington rief ich ein paar mal bei der Hotline des Shenandoah National Parks an und eine Bandansage mit merkwürdigem virginianischem Akzent wiederholte sich immer: „Due to the current weather conditions, the Shenandoah National Park Service is closed.
Ich war ziemlich enttäuscht. Der Park hätte zwischen all den Städten, in die wir so reisten, etwas Abwechselung geboten. Und seit der letzten Amerika-Reise an die Westküste liebe ich die amerikanischen National Parks sehr.

Wir beschlossen also direkt nach Charlottesville zu fahren, aber kaum waren wir auf dem Highway, begann es kräftig zu schneien. Sofort gerieten Autos vor uns ins Schleudern, wir konnten nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren.
Ich checkte vorsichtshalber die Website des Jefferson Hauses, und – natürlich – war es aufgrund der current weather conditions heute geschlossen. Es ging also direkt nach Richmond ins einzige Hotel der ganzen Reise. Der Tag war gelaufen.

Voller Vorfreude auf den ersten Tag ohne Schnee, standen wir am nächsten Morgen früh auf uns machten uns auf den Weg zu unserer längsten Teilstrecke nach Charleston, South Carolina. Die Fahrt war lang und wenig aufregend, gerade Highways, flache Ebenen. Aber die Landschaft begann sich merklich zu ändern. Aus gemäßigten Wäldern wurden moorige Wiesen, wir sahen die ersten Palmen und tatsächlich zum ersten Mal keinen Schnee. Als wir gegen Abend in Charleston ankamen, war es sogar fast zwanzig Grad warm. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie geil sich diese 20 Grad angefühlt haben.

Wir wohnten für zwei Tage in einem dieser Veranda-Häuser, die ich so faszinierend finde. Ich kann mich gar nicht sattsehen an ihnen und denke immer sofort an amerikanische Südstaaten-Filme oder stelle mir vor, wie ich an jedem Sommertag auf der Veranda sitzen würde, in einem weißen Schaukelstuhl, mit einem Glas Rotwein in der Hand.

Am nächsten Tag liefen wir durch das schöne Charleston, schauten uns zwei ehemalige Herrenhäuser von innen an und fuhren mit den alten Trolleys herum. Die Trolleyfahrerin war so eine Art Stadtführerin, die allerdings schwer verständliches Südstaaten Amerikanisch viel zu laut in das kleine Trolley-Mikrofon sprach. Schließlich spazierten wir noch am Hafen entlang und ich fühlte mich ziemlich wohl in dieser Stadt. Yay Charleston!

8

Von Charleston nach Savannah sind es nur etwa zwei Stunden. Wir erreichen unsere Unterkunft daher schon früh, so dass wir den Rest des Tages in der schönen Altstadt von Savannah herumlaufen können. Auch hier gibt es wieder wunderschöne Veranda-Häuser, aber alles ist ein bisschen kleiner und unscheinbarer als in Charleston. Dafür gibt es hier überall diese merkwürdig hübschen Eichen, von denen Moos herabhängt. Das ist besonders spooky bei Nacht, wenn die Straßenlaternen durch das Moos scheinen.

In Savannah gibt es zwischen den Häuserblocks in immer gleichen Abständen 24 kleine quadratische Parks mit Gärten, Monumenten, Bänken und vielen Bäumen. In einem dieser Squares, dem Chippewa Square, wurden die Forrest Gump Szenen gedreht, bei denen Forrest auf der Bank sitzt. Die Bank gibt es zwar leider nicht, aber das tut dem Park keinen Abbruch. Wir laufen noch ein bisschen weiter durch die Stadt bis uns der Regen zu einem frühen Abendessen zwingt. Schließlich beenden wir den Tag mit einem Fußmarsch zu unserer Unterkunft, vorbei an den dunklen gespenstischen Mooseichen.

Und damit lassen wir nun auch Georgia hinter uns und fahren endlich in das hoffentlich viel wärmere Florida!

(Virginia: Richmond, North Carolina: Raleigh, South Carolina: Columbia, Georgia: Atlanta)

Categories: USA

Ein Gedanke zu “Charleston und Savannah

  • Ich schrieb ja schon das letzte Mal, irgendwie bin ich die gleiche Route gefahren. Und auf der Route war auch der Shenandoah National Park. Weil ich noch immer beeindruckt war von den Nationalparks an der Westküste und natürlich dachte der wird auch der Hammer sein. War er aber nicht. Ziemlich langweilig. Du hast also nichts versäumt. Ich mich hingegen damals ziemlich geärgert über die Entscheidung.

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