Philadelphia und Washington, D.C.

Nachdem wir den kältesten Ort unserer Reise hinter uns gelassen hatten, freuten wir uns über jedes kleine Grad, um das das Thermometer anstieg. Als wir nach sechs Stunden Fahrt endlich Philadelphia erreichten, zeigte es nur noch lächerliche minus fünf Grad Celsius an. Yay.

Wir parkten vor dem Haus unserer Unterkunft, in einem wunderschönen Viertel voller ziegelroter Backsteinhäuser. Nach einer kurzen Begrüßung unseres Gastgebers, machten wir uns schnell auf zum Philadelphia Museum of Art, das wir noch vor Sonnenuntergang erreichen wollten. Auf der riesigen Treppe vor dem Museum sieht man Menschen in Sportkleidung die Stufen hinaufspringen und man hat automatisch den Rocky-Soundtrack im Ohr.
Der Blick von oben ist ziemlich hübsch. Man sagt, dass die große Hauptstraße, der Benjamin Franklin Parkway, der Champs-Élysées in Paris nachempfunden ist. Das stimmt ein bisschen.

Am nächsten Morgen laufen wir in die Innenstadt. Es ist kalt, aber die Sonne scheint und macht alles viel angenehmer. Bevor wir uns zum touristischsten aller Orte in Philadelphia begeben, gehen wir noch ins U.S. Mint, eine der größten Münzprägestätten der USA. Hier werden die Pennys, Nickels, Dimes und Quarter der amerikanischen Währung produziert. Das Gebäude ist riesig. Von außen sieht es aus wie ein monströser Koloss ohne Fenster. Am Eingang müssen wir unseren Ausweis vorzeigen, Taschen- und Körperscanner inklusive. Kameras sind strikt verboten. Aber es lohnt sich.
Zuerst läuft man durch ein kleines Museum mit amerikanischer Münzgeschichte, dann aber betritt man die Hallen, in denen tatsächlich Münzen gefertigt werden. Und man lernt nebenbei Spannendes zu Design, der Negativ-Seite einer Münze und Prägefehlern. Ziemlich cool.

Schließlich landen wir auf dem Independence Plaza, wo jedes Gebäude irgendwie Liberty oder Freedom heißt und schreit: „Hier wurde amerikanische Geschichte geschrieben!“ Jaja, so wie in Boston und überall an der Nordostküste auch schon. Die Liberty Bell besuchte ich schon einmal vor Jahren, sie hat sich seither kein Stück verändert. Die große Glocke aus schwerem Zinn und Kupfer hat noch immer diesen großen Riss an der Vorderseite. Eine Legende sagt, sie sei kurz nach ihrem Guss heruntergefallen und zerbrochen. Oder so.

Wir laufen noch eine Weile umher und ich stelle fest, dass mir Philadelphia erstaunlich gut gefällt. Irgendwie hatte ich es verregneter und düsterer in Erinnerung und vermutlich gibt es auch Ecken, die nicht so schön sind, aber für einen Eintagesaufenthalt ist die Stadt doch ausgesprochen sehenswert.

(New Jersey: Trenton, Pennsylvania: Harrisburg)

Gegen Nachmittag fahren wir weiter, 2 Stunden gen Süden, in die große Hauptstadt, Washington, District of Columbia. Und schon bei der Ankunft bin ich überwältigt von den vielen schönen Häusern, die so aussehen, als würde im nächsten Moment Frank Underwood herauskommen. Wir haben eine Unterkunft mitten in Bloomingdale, mit Blick auf das Capitol. Genau die Nachbarschaft, die in Sekunde fünf des House of Cards Trailers zu sehen ist.

Am Abend gehen wir noch zum besten Italiener der Stadt, bevor wir am nächsten Morgen gestärkt zu unserem Sightseeing-Marathon aufbrechen. Die National Mall ist eine giganitische Parkanlage mit etlichen historischen und wichtigen Gebäuden, zahlreichen Museen, Monumenten und Memorials. Wir beginnen in der National Gallery of Art mit seiner beeindruckenden Kunstsammlung und den wunderschönen kleinen Wintergärten.

Gegen Mittag wollen wir ins Capitol und dort in der Kantine mit den Congressmen lunchen. Tatsächlich gibt es im Keller des Capitols ein kleines Bistro, angeblich entspricht die Stuhlanzahl derer der Mitglieder des Congress. Und es gibt die berühmte Senatoren-Bohnensuppe. Für eine ausführliche Führung haben wir aber keine Zeit. Wir machen uns auf zum National Air und Space Museum, das ich nur so mittelspannend fand. Weiter zum National Monument, diesem Obelisken, der so heroisch im Zentrum der National Mall steht, umgeben von hunderten im Wind wehenden amerikanischen Fahnen.

Der Lincoln Memorial Reflecting Pool war offensichtlich bei dem Wetter nicht mit Wasser gefüllt, sondern mit einer dicken Schicht Schnee bedeckt. Am Ende erwartet einem das Lincoln Memorial, wo der überdimensionale Herr Lincoln seit jeher auf seinem Thron über der Stadt wacht. Der Blick von dort oben zurück auf die Mall ist tatsächlich so schön symmetrisch.

Auf dem Weg zur letzten Station frieren mir die Finger so dermaßen ein, dass mir fast ein paar Tränen ins Gesicht laufen. Der strahlend blaue Himmel hatte mich unterschätzen lassen, dass es immer noch furchtbar kalt hier ist. Ich nahm ganz unbedacht meine in Handschuhe gepackten Hände aus der Jackentasche, um Fotos zu machen. Innerhalb von zehn Minuten waren dabei meine Finger so taub geworden, dass sie voller Schmerzen brannten. Ich rannte in einen Souvenirshop und wärmte mich auf. Das war grenzwertig.

Noch eine halbe Stunde war die Sonne da, weshalb wir zügig zum White House liefen. Wäre jetzt unendlich schade, das Haus nicht mehr bei Sonnenlicht sehen zu können. Wir erreichten es noch rechtzeitig, machen drei, vier Touri-Bilder und ich beobachte die Schatten der Bäume, die die untergehende Sonne auf den Schnee im Vorgarten legt. Nicht schlecht.

Den letzten Abend in Washington verbringen wir in unserer tollen Unterkunft, schauen House of Cards und Connan o’Brian. Der Tag war mega anstrengend, aber die Stadt ist so wunderschön, dass ich mir durchaus vorstellen kann, hier mal zu wohnen. Und das ist immer ein gutes Prädikat.

(Delaware: Dover, Maryland: Annapolis)

Categories: USA

2 Gedanken zu “Philadelphia und Washington, D.C.

  • Ich mag deinen Reisebericht des Ostküstentrips sehr gerne. Auch weil die Orte die du besucht hast die Gleichen sind in die ich auch gefahren bin auf meinem Trip. Und deine Erfahrungen so ähnlich sind zu dem was ich erlebt habe, und ich dann immer ganz sentimental werde 🙂

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