Wenn ich ein Künstler wär…

Ich wär so gern ein Künstler. Dann wäre ich im Web so beliebt. Dann würden mir tausende Leute bei Twitter folgen, hunderte meinen Blog abonnieren und mindestens zwanzig Leute meine Fotos bei Twitpic kommentieren.

Wenn ich ein Künstler wär, dann würde ich originelle Tweets schreiben und kreative Blogeinträge verfassen, die es wert wären von hunderten gelesen zu werden. Dann würde ich schöne Bilder fotografieren mit phänomenalen Lichteinfällen, spektakulären Perspektiven und traumhaften Motiven, die es wert sind angeschaut und kommentiert zu werden. Wenn ich ein Künstler wär, dann würde ich coole Comics zeichnen illustrieren oder mit irgendeinem Grafikprogramm schicke Designs erstellen. Die würde ich auf meiner Website oder bei Soup.io oder tumblr veröffentlichen und ich wäre Teil der Webcommunity. Dann würde ich einen blogroll besitzen mit all den Links zu meinen Lieblingsblogs, die ich gerne lese und meine Blogfreunde würde in ihrem blogroll auf meinen Blog verweisen. Ich würde ganz viele Freundesanfragen auf facebook bekommen, von Leuten, die ich gar nicht kenne, die mich aber interessant finden. Ich hätte viel mehr follower als followings und jeden Freitag würden ganz viele Twitterer Empfehlungen abgeben, mir zu folgen.

Wenn man kreativ ist, dann hat man es leichter im Web beliebt zu werden. Irgendwie fällt es den kreativen Menschen zu. Sie haben alle MacBooks und iPhones sowieso. Und eine schöne Spiegelreflexkamera. Und sie wissen Bescheid, wie man mit all diesen Dingen richtig umgeht. Mit dem Mac und dem Web. Sie kennen die neuesten Trends und sind von Anfang an bei jenen dabei. Sie hatten ihre Blogs schon, da hatte ich noch nicht mal einen Computer. Wenn andere sich gerade erst bei Twitter anmelden, haben sie schon 1000 follower. Wenn andere sich freuen, weil sie glauben chatroulette sei jetzt voll angesagt, dann lächeln sie nur müde und knipsen ihr nächstes dailybooth Foto.

Ich will auch so sein. Ehrlich. Aber ich bin kein Künstler. Ich bin nicht kreativ. Ich zeichne nicht und ich fotografiere nur mit einer langweiligen Digitalkamera. Meine Blogs liest niemand. Ich habe nur zehn follower mehr als followings. Meine facebook Freunde kenne ich alle persönlich.

Ich bin leider einer dieser rationalen Menschen. Die, die gut mit Mathe können und so. Aber ich bin leider auch kein Nerd, weil der wäre ja wieder cool und beliebt und der hätte ja sowieso ganz viele follower. Ich muss mich anstrengen, um kreativ zu sein. Wenn ich was malen oder fotografieren will, was andere schön finden könnten, dann muss ich darüber nachdenken. Künstler würden fühlen, was sie malen wollen und könnten es einfach. Ich denke oft minutenlang darüber nach, wie ich mein Tweet formuliere, damit er originell oder witzig ist. Damit ihn andere retweeten oder faven. Künstlern fallen die Tweets spontan ein. Sie kriegen unzählige replys. Mein Blog ist langweilig, weil ich so selten darin schreibe, weil mir nie etwas einfällt, worüber ich bloggen könnte. Künstler haben tolle Blogs und ihre Einträge sind so schön geschrieben. So klug, so sophisticated, so anders. Sie benutzen kreative Wörter und versehen ihren Text mit hübschen Bildern.<

So wie ein Künstler werde ich nie sein können. Aber es ist schön, dass es solche Menschen gibt, deren Tweets und Blogs ich lesen darf. Ich träume mich gern in ihre Welt hinein, und dann freue mich über jeden neuen eigenen follower.

Categories: Computer und Internet

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