Pendelverkehr

Ich pendle nun schon fast drei Jahre lang jeden Tag von Stuttgart nach Frankfurt und zurück. 87 Minuten hin und 78 Minuten zurück. Das sind 165 Minuten täglich, die ich im Zug sitze. Vorausgesetzt die liebe Bahn ist pünktlich. Und da sind noch nicht mal die zusätzlichen S-Bahn-, Tram- oder Busfahrten eingerechnet, die ich in Frankfurt noch hinter mich bringen muss.

Warum mache ich das bloß? Ok, das ist ziemlich schnell erklärt. Ich arbeite in Frankfurt und wohne in Stuttgart. Umziehen nach FFM wollte ich nicht, weil ich die Stadt nicht mag und weil mein Freund in Stuttgart arbeitet. Und anfangs dachte ich mir eben, dass das Pendeln schon ok sei. Schließlich bin ich damals in meinem Bachelorstudium auch schon jeden Tag von Berlin nach Frankfurt (Oder) gefahren. Und heute fahre ich mit dem ICE und das ist ja eigentlich auch ganz angenehm. Eine gewisse Zeit lang jedenfalls.

Irgendwann fängt es aber natürlich an zu nerven. Jeden Tag dieselben trödeligen Menschen an den Bahnhöfen, die zum ersten Mal Zugfahren oder anderweitig im Weg stehen. Ich habe meinen morgendlichen Weg zwar schon zeitoptimal organisiert, aber jede Minute, die ich wegen Linksstehern auf der Rolltreppe verliere, verursacht, dass ich die S-Bahn verpasse, was verursacht, dass ich den Bus verpasse, was verursacht, dass ich zu Fuß gehen muss, was verursacht, dass ich zehn Minuten zu spät komme.

Kopfbahnhöfe helfen da übrigens keineswegs weiter. Gäbe es in Stuttgart schon den schönen neuen Untergrundbahnhof würde ich morgens und abends zehn Minuten sparen. Gäbe es in Frankfurt keinen Kopfbahnhof oder einen separaten Zugang zu den S-Bahn Gleisen würde ich wahrscheinlich täglich 20 Minuten Zeit sparen. Wertvolle Zeit, die ich länger schlafen oder früher im Büro sein kann, statt Koffern und Menschen ausweichen zu müssen.

Das Fahren in den Zügen selbst ist eben gar nicht mal so schlimm. Verglichen mit irgendwelchen lauten und unbequemen Regionalexpressen oder S-Bahnen kann man im ICE auch produktiv arbeiten. Oder Serien schauen. Oder schlafen. Mittlerweile kenne ich alle goldenen Regeln und Insidertipps des ICE-Fahrens. In welchen Wagen fast immer noch Plätze frei sind, welche Menschentypen wann wo sitzen und wieder aussteigen, wo die bahn.comfort Plätze sind und da ich auch alle ICE Baureihen und ihre Fahrzeugkonfiguration kenne, weiß ich wo sich welche Wägen befinden, ohne die Wagenstandsanzeiger anschauen zu müssen. Bahndurchsagen kann ich natürlich im Schlaf mitsprechen und ich führe ein inoffizielles Verspätungsminutentagebuch. Rekord letztes Jahr: Kalenderwoche 41 mit 183 Minuten Verspätung.

Irgendwie habe ich eben keine Alternative zum Bahnfahren. Und weil ich nicht vorhabe aus Stuttgart wegzuziehen und mir meine Arbeit Spaß macht, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben. Und wenn man erst mal so eine Bahncard100 gehabt hat, will man auch nie mehr darauf verzichten.

Categories: Leben

5 Gedanken zu “Pendelverkehr

  • Das du Frankfurt nicht magst müssen wir mal ändern – wird Zeit für einen Blogpost darüber 🙂

    Die ganze Trödelei nervt mich manchmal auch tierisch und ich steige „nur“ an der Konstablerwache um.

    • Oh ja, schreib mal bitte, wo die coolen Viertel in Frankfurt sind. Welche Restaurants, Bars und Café super sind. Ich habe gar keine Ahnung. Mein Aufenthalt beschränkt sich fast immer nur auf den Weg zwischen Hbf – Galluswarte.

  • Alex

    In welchem Wagen sind denn noch Plätze frei?

  • HBFs sind ja immer so nen Umsteige-Mekka. Und ich versuche es so gut wie es geht zu umgehen.

    Was mich aber mehr fasziniert: Wie viele Leute sonntags/feiertags im Edeka im Hamburger Hauptbahnhof einkaufen gehen…

  • Ich glaube, irgendwann gewöhnt man sich auch an alles und lernt, die Zeit im Zug zu nutzen. Schade ist nur, dass man so wenig Zeit gemeinsam hat, weil man eben viel pendelt.

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