‘Serienpulver’

Grey’s Anatomy S08E20 – The Girl With No Name

Darum geht’s: Ein bisschen Natascha Kampusch Feeling tritt ein, als ein 18jähriges Mädchen schwerverletzt ins Seattle Grace Hospital eingeliefert wird und sehr schnell klar wird, dass es sich um die seit 12 Jahren vermisste Holly handelt. Ihr Entführer hatte sie eingesperrt, misshandelt, missbraucht, geschwängert. Das typische Drama eben. Nun konnte sie endlich fliehen, kletterte irgendwelche Felsen hinauf, stürzte und wurde gerettet. Ihre Eltern sind ihr in all den Jahren fremd geworden. Diese versuchen aber auf fernsehssendungsunübliche Weise ganz cool damit umzugehen. Man erfährt, dass Holly ihren Peiniger manchmal vermisst und sich dafür schämt, aber am Ende kehrt sie doch heim mit ihrer Familie und wirkt überraschend sortiert. So ist sie wirklich ein bisschen wie Frau Kampusch, die ja damals auch kurze Zeit nach ihrer Flucht Masseninterviews gab.

Traurigster Moment: Als der treue und fürsorgliche Richard seine an Alzheimer leidende Ehefrau im Pflegeheim besucht, und sie ihm glücklich berichtet, dass sie sich in einen anderen Mann verliebt hat. Sie kann sich nicht mehr an Richard oder ihre Ehe mit ihm erinnern. Später findet er die beiden zusammen im Bett vor. Aber er kann ihr keine Vorwürfe machen. Unglaublich gefasst, aber schrecklich traurig kümmert er sich dennoch um sie, gesteht ihr seine ewige Liebe und lässt sie dann mit dem anderen Mann zurück.

Die anderen: Die “Fifth-Years” stehen vor dem Ende ihrer Ausbildung im Seattle Grace. Sie fliegen durchs Land und haben Job-Interviews bei anderen Krankhäusern. Natürlich will jeder die talentierte Christina, die sich von ihren potentiellen Arbeitgebern mit Rotwein und Obstkörben umgarnen lässt. Sicher scheint, dass sie weg will aus Seattle. Weg von Owen. Vielleicht. Höchstwahrscheinlich hängt alles davon ab, ob die echten Schauspieler überhaupt noch Lust auf eine weitere Staffel haben. Eine fantastische Situation, die sich die Schreiber da eingebaut haben. Gerüchte, dass einige die Serie verlassen wollen, gab es ja genug. Und nun können sie ganz einfach so tun, als seien die Hauptcharaktere eben in ein anderes Krankenhaus gewechselt. Clever, ABC, sehr clever. Mein Tipp: Meredith geht auf jeden Fall, Lexy nimmt den Platz der “Grey” ein. Christina geht eventuell, aber nur wenn es mit Owen wieder klappt. Die anderen bleiben.

Vorschau: Das große Staffelfinale steht in der übernächsten Folge bevor. Ich wette auf ein Riesendrama mit allem Pipapo. Irgendwer muss sterben. Das ist Staffelfinalgesetz.

★★★☆☆​​​​​​​​​​​​​​​​​​

21. April 2012
Ein Kommentar
Serienpulver

Tatsächlich schaue ich relativ viele Serien. Im Vergleich zu Filmen erfordert diese Leidenschaft jedoch eine gewisse Organisation. Da braucht man einen Wochenkalender für die Ausstrahlungstermine neuer Folgen und natürlich ein System, um bereits gesehene Episoden abzuhaken. Für beides habe ich mittlerweile eine gute Lösung gefunden.

Allerdings schwirren mir nach jeder Folge meist viele Gedanken im Kopf umher. Ich möchte manchmal wissen, was andere Menschen von der Episode halten oder selbst irgendwelche Fragen stellen. Schließlich gibt es genauso viel über eine Folge zu diskutieren, wie über Filme. Und Filmblogs oder Filmreviews gibt es wie Sand am Meer. Aber Serien werden ja fast nur in irgendwelchen hässlichen 90er Jahre Foren diskutiert und richtige Kritiken kenne ich nur vom Tatort auf Spiegel.de

Wenn der Prophet also nicht zum Berg kommt, dann mache ich meinen eigenen kleinen Serienblog. Nicht als ausgelagerter neuer Blog, sondern als Kategorie hier. Serienpulver heißt das dann. Ich gebe spoilergeballten Inhalt wieder und bewerte das ganze höchst subjektiv. Natürlich wird es auch Sterne geben. Sterne sind cool. Und alle sind eingeladen meine Kommentarfunktion zur Diskussion zu missbrauchen.

Los geht’s mit The Big C.

The Big C S03E01 – Thin Ice

Cathy hat also Krebs. In der ersten Staffel erzählten ihr alle, dass das ein ganz übler Krebs sei und dass sie nicht mal mehr ein Jahr hätte. Nun hat gerade die dritte Staffel begonnen und gleich in der ersten Folge sagt ihr Arzt, dass die neue Therapie angeschlagen ist und sich der Tumor zurückbildet. Na prima. Krebs weg, keiner stirbt, alles super.

Das wäre aber lahm und würde der Serie keine Legitimation zum Weitersenden geben. Schließlich lautet der der Titel The Big C und wenn die Macher jetzt versuchen, das C irgendwie mit Cathy zu erklären, wäre das etwas lächerlich.

Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die Serie fünf plus x Staffeln hinkriegt, wenn es sich bloß um Krebs dreht. Darum ging es ja in den vergangenen Folgen schließlich auch nicht. Andere Themen und Probleme gab es genug. Da ist der Ehemann Paul, der fremdging, seinen Job verlor und nun versucht ein fürsorglicher Partner und Vater zu sein, was dazu führte, dass er einen Herzinfarkt erlitt, aber überlebte. Jetzt muss er einen Herzschrittmacher oder so ähnlich tragen. Da könnte man was draus machen. Oder vielleicht auch nicht. Herzprobleme sind jetzt auch nicht das originellste Thema.

Dann wäre da noch der Sohn Adam. Am Anfang war er der coole 16jährige Junge, den seine Eltern nerven und der keine Gefühle zeigen konnte oder wollte. Als er einen von seiner Mutter gemieteten Lagerraum entdeckte, in dem unzählig verpackte Geschenke für seine zukünftigen Geburtstage lagen und er so von der Krankheit erfuhr, änderte sich einiges. (Übrigens war das wohl die traurigste Szene, die ich je sah.) In der neuesten Folge betete er nun heimlich, dass die Untersuchung seiner Mom positiv ausfällt, obwohl er nicht wirklich Jesus’ größter Fan ist. Irgendwie eine interessante Wandlung, obwohl ich mir auch wünsche, dass Adam jetzt nicht zum Vorzeigesohn wird. An ihm mochte ich, dass er relativ unvorhersehbar und manchmal unmöglich handelte. Das sollte irgendwie erhalten bleiben.

Sean, Cathys Bruder, passt ganz gut in die Serie. In der ach so heilen Vorstadt-Welt spielt er den naturschützenden Öko-Moral-Hippie. Das ist ok, es wirkt nicht so schlimm, wie es klingt. Nichtsdestotrotz will Cathy, dass er sich um Adam kümmert, falls sie oder ihr Mann sterben. Mittlerweile hat Sean ja schon ein Dach über den Kopf und sucht sich einen Job.

Zu guter Letzt kehrt Andrea, die Pflegetochter von Cathy und Paul, aus Afrika zurück und nennt sich Ababu. Sie muss jetzt angeblich ihre afrikanischen Wurzeln ausleben und kleidet sich dementsprechend. Naja. Die schauspielerische Leistung von Gabourey Sidibe ist top, aber ich weiß nicht so recht, ob mich das alles interessiert. Ihre souveräne Art, wie sie mit Kritik Anderer umgeht, ist aber zum Glück erhalten geblieben. Und das fand ich bisher an ihr am spannendsten. Mal sehen, was daraus wird.

Insgesamt eine gute Folge. Gewohnte Dramatik am Ende, als Cathy in den zugefrorenen Swimming Pool einbricht und der zu Hilfe eilende Paul von der Herzschrittmacherfernbedienung elektrogeschockt wird und die Treppe hinunterstürzt. Ansonsten eventuell eine neue Nebengeschichte, in der Cathy sich heimlich im englischen Pub mit Martinis zuschüttet und Bekanntschaft mit den dortigen Herren macht.

★★★★★​​​​​​​​​​​​​​​​​​


Archiv

Kategorien
 



© Browsepulver ♥ You ∙ ImpressumFeed